Donnerstag, 13. Februar 2014

Yves Saint-Laurent: Der genialste Modeschöpfer aller Zeiten

Er galt und gilt als der Inbegriff der Haute Couture: Modeschöpfer Yves Saint-Laurent (1936-2008) hat die  Mode des 20. Jahrhunderts geprägt. Als er 1957 im Alter von 21 Jahren zum Assistenten von Christian Dior wurde und nach dessen plötzlichem Tod zum Chefdesigner des Modehauses aufstieg, war der Grundstein für diese außergewöhnliche Karriere gelegt. „Yves Saint-Laurent war der größte Modeschöpfer aller Zeiten. Er betrachtete die Mode einerseits als Kunstform, andererseits als Handwerk. Beides verstand er meisterhaft“, sagt Regisseur Jalil Lespert, der bei der Berlinale sein Bio-Pic „Yves Saint-Laurent“ vorstellte. Die opulent, aber durchwegs konventionell gefilmte Biografie zeichnet chronologisch den Werdegang des Mode-Genies nach und widmet sich dabei  nicht nur den strahlenden Momenten in Saint-Laurents Leben, sondern auch den Schattenseiten: Zeiten, in denen der Modeschöpfer mit selbstzerstörerischen inneren Kämpfen zu tun hatte.
Spielt Yves Saint-Laurent: Der junge Franzose Pierre Niney (Foto: Katharina Sartena)

„Der Film ist aber auch eine Liebesgeschichte“, verrät Yves-Saint-Laurent-Darsteller Pierre Niney, seines Zeichens mit 21 das jüngste Mitglied der „Académie française“. „Wir schildern nämlich Yves‘ Beziehung zu seinem Lebenspartner Pierre Bergé, mit dem er gemeinsam das Label ‚Yves Saint-Laurent‘ gründete und der bis zu ihrer Trennung die Geschäfte für ihn führte.“ Eine Liebesbeziehung, die also auch ins Geschäftliche wirkte. „Der eine war der Kreative, der andere der Praktische im Hintergrund. Beide ergänzten sich phänomenal“, sagt Niney beim Gespräch. 

Regisseur Jalil Lespert (Mitte) (Foto: Katharina Sartena)


Niney selbst ist an Mode nur wenig interessiert. Zum Interview erscheint er im legeren Pulli und einer unauffälligen Hose. „Mode war nie ein zentrales Interesse von mir“, sagt er. „Aber durch die Beschäftigung mit der Rolle habe ich sehr viel darüber gelernt. Im Film musste ich schließlich auch Schnittzeichnungen anfertigen und Skizzen und Entwürfe zeichnen.  Ich habe dafür sehr lange geübt – denn was wäre peinlicher, als jemand, der einen Designer spielt, aber nicht mal das Handwerk beherrscht?“

Matthias Greuling, Berlin

Mittwoch, 12. Februar 2014

Pierce Brosnan wird immer James Bond bleiben

Wenn Pierce Brosnan den Raum betritt, dann schwebt da eine gewisse Aura mit: Sie enthält eine Mischung aus britischem Understatement, nobler Eleganz und einem Hauch Agenten-Charme. Seine 60 Lebensjahre brachten ein paar Altersflecken auf der Stirn, und auch das Agenten-Dasein hat er schon gut eine Dekade hinter sich. Trotzdem ist Brosnan eine stattliche Erscheinung; seine Höflichkeit (er schüttelt jedem Journalisten die Hand und erkundigt sich nach dessen Herkunft) ist beispiellos in der Branche – was auch daran liegen mag, dass er kaum schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht hat. „Ja, klar, zu James-Bond-Zeiten war das Interesse enorm. Aber mittlerweile kann ich ganz gut alleine auf die Straße gehen und werde nie belästigt. Ich musste auch nie Paparazzi verklagen oder so was“, sagt er mir bei der Berlinale.

British: Pierce Brosnan (Foto: Katharina Sartena)
Brosnan macht einen entspannten Eindruck, ist relaxed und besonnen. Seine neue Komödie wird hier in Berlin aufgeführt, „A Long Way Down“ nach einem Text von Nick Hornby, der sich um vier Menschen dreht, die zufällig alle zur selben Zeit vom selben Londoner Hochhaus springen wollen, weil sie aus unterschiedlichen Gründen das Leben leid sind. Selbstmord, für Brosnan nachvollziehbar? „Durchaus“, sagt er nachdenklich. „Es gibt viele Gründe, die ich verstehen kann, weshalb jemand nicht mehr leben will. Aber es lohnt sich immer, das Leben positiv zu sehen“. Brosnan selbst ist von Schicksalsschlägen nicht verschont geblieben: 1991 starb seine damalige Frau an Krebs.
Und er selbst hat es auch schon einmal unmittelbar mit einer Selbstmord-Kandidatin zu tun bekommen. „Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mir passierte, als ich gerade die TV-Serie ‚Remington Steele‘ drehte, das war Mitte der Achtziger. Damals stand ich in einer Drehpause auf einer Brücke und lernte meinen Text für die nächste Szene – und dann stand da plötzlich ein junges Mädchen, das ins Wasser springen wollte. Ich habe sie angefleht, das nicht zu tun. Schließlich habe ich es zumindest geschafft, dass sie das Vorhaben aufgab. Ich weiß aber nicht, was aus ihr geworden ist“
 
Brosnan und Toni Collette (Foto: Katharina Sartena)
„A Long Way Down“ geht aber durchaus humorvoll mit dem Thema Selbstmord um. Brosnan kann einmal mehr sein komödiantisches Talent ausspielen, als die Truppe von Beinahe-Selbstmördern einen Pakt schließt, sich die kommenden sechs Wochen nicht umzubringen. Stattdessen geht es auf einen ausgedehnten Urlaubstrip nach Teneriffa, wo man neue Lebenslust tankt. Ein wohlfeil klischeebehafteter Film, der keine kitschige Wendung auslässt – positiv ausgedrückt: Letzten Endes ein Crowdpleaser.

Aber Crowdpleaser pflastern die Filmkarriere des Pierce Brosnan, die ist er beinahe schon gewöhnt. „Woran man sich allerdings nie gewöhnt, dass sind die Auftritte auf dem Roten Teppich, die Interviews, die Fototermine – denn zwischen den Filmen, die man dreht, liegen lange Pausen, bevor man dann plötzlich wieder im Rampenlicht steht. Das ist immer seltsam. Aber ich denke mir dann: Sakko drüber, Schultern zurück, Brust raus und einfach durch!“
(Foto: Katharina Sartena)
Der noble Brosnan, der einem diese Worte in bestem British English kredenzt, leidet nicht nur unter dem Scheinwerferlicht der Premierenpartys, sondern auch unter einer Rolle, die ihm für alle Zeiten anhaften wird: James Bond. Man traut sich gar nicht, ihn darauf anzusprechen, doch dann tut er es selbst: „James Bond wird mich mein Leben lang verfolgen. Man bekommt diese Rolle einfach nicht los. Egal, wohin ich komme, ich werde immer darauf angesprochen“. Eine echte Bürde also? „Nein, eine Bürde ist das keine. Denn das war das beste Jahrzehnt meines Lebens.“

Matthias Greuling, Berlin

Dieser Beitrag erschien auch in der Wiener Zeitung

Das finstere Tal: Premiere bei der Berlinale

Andreas Prochaska bei der Pressekonferenz in Berlin (Foto: Katharina Sartena)
Der Andrang hielt sich in engen Grenzen: Nur eine Handvoll Journalisten waren zur Pressekonferenz des österreichisch-deutschen Berlinale-Beitrags „Das finstere Tal“ erschienen, nur ein Dutzend Fotografen knipsten die Stars des Films, Sam Riley und Tobias Moretti. „Keine Sorge“, beruhigte der Moderator der Pressekonferenz, „die meisten Leute schauen diese Veranstaltung im Web-Stream. Stellen Sie sich einfach vor, der Saal wäre voll“, sagte er zum doch etwas verdutzten Podium.

Paula Beer (Foto: Katharina Sartena)
Tatsächlich hat ein so geringes Interesse an einem starbesetzten deutschsprachigen Film bei der Berlinale durchaus Seltenheitswert. Im Fall von „Das finstere Tal“ lag das auch daran, dass bei dieser 64. Berlinale so ziemlich alle Events und Feste zugleich an diesen Montag Abend verlegt wurden – ZDF, die österreichischen Filmförderanstalten, aber auch etliche Produktionsfirmen erklärten den Montag zum Party-Tag, und den Journalisten saß wohl noch das anstrengende Wochenende mit George Clooney, Christian Bale, Forest Whitaker, Pierce Brosnan oder Lars von Trier in den Knochen.
Und dann gab es noch dazu harsche Kritik: „Unfreiwillige Lacher“ hätte es gegeben während der Pressevorstellung, berichtet eine Journalistin, „vor allem wegen des Einsatzes vieler Zeitlupen“. In der Buchvorlage von Thomas Willmann habe es viele Ideen gegeben, die ihn zu diesen „Exzessen“ verleitet hätten, konterte Regisseur Andreas Prochaska.
Dass der Erzählduktus von „Das finstere Tal“ durchaus episch und langsam ist, ist dem Genre geschuldet, erklären die Filmemacher. In der Geschichte geht es um einen Fremden (Sam Riley), der irgendwann im 19. Jahrhundert in ein abgelegenes Hochtal kommt, um dort Rache für eine lange vergangene Tat zu üben. Der Western, die „amerikanische Version des Heimatfilms“ (Prochaska), wurde so erstmals in die österreichischen Alpen transferiert.
„Die Gesichter in diesem Film sehen aus wie die Landschaft“, erklärt Tobias Moretti auf dem Podium. „Es ist in der Bildhaftigkeit hingeworfen wie in einer realen Situation. Slow Motion ist ähnlich wie die Reduktion der Sprache. Man will innehalten in einem Bild. Das sehen sie auch in Bildern von Goya oder Egger-Lienz. Das ist ein Stil-Mittel, das mich sehr bewegt“. Für einen Schauspieler wie Moretti war die Arbeit an „Das finstere Tal“ höchst ungewöhnlich. „Man ist gewohnt, sich über das Wort auszudrücken, und plötzlich musst du das Schauen darstellen. Das ist eine ganz andere Art zu Spielen. Deshalb darf man bei diesen Figuren alles sein, nur nicht unsicher“.

Sam Riley und Tobias Moretti (Foto: Katharina Sartena)
Für die Filmcrew gab’s Applaus, doch die eingangs geäußerte Kritik nagte dann doch an Regisseur Prochaska: „Ich habe den Film so gemacht, wie ich ihn für richtig halte“, sagte er. Nachsatz: „Mir gefällt‘s, mehr kann ich dazu nicht sagen. Wer den Film nicht mag, soll sich brausen gehen.“ 

Matthias Greuling, Berlin

(Dieser Beitrag ist auch in der Wiener Zeitung erschienen)

Montag, 10. Februar 2014

Lars von Trier provoziert auch ohne Worte / Nymphomaniac Premiere in Berlin

Lars provoziert: "Persona non grata - Official Selection". (Foto: Katharina Sartena)
Dass er nicht mehr mit Journalisten spricht, seit er in Cannes 2011 über seinen „Nazi“-Sager gestolpert ist, hat Lars von Trier bislang eisern durchgezogen – selbst beim Interview-Junket in seiner Heimatstadt Kopenhagen im Dezember, an dem ich teilnahm, fehlte er.


Nun hat er die Reise nach Berlin angetreten, wo man den ersten Teil der Langfassung von „Nymphomaniac“ außer Konkurrenz zeigte. Zum Fototermin war Lars von Trier zwar erschienen – nicht aber zur nachfolgenden Pressekonferenz. Den Fotografen präsentierte er sich mit einem provokanten T-Shirt, auf dem das Logo der Filmfestspiele von Cannes prangte, mit dem Untertitel „Persona non grata – Official Selection“ – eine Anspielung auf das Festival, das ihn 2011 zur unerwünschten Person erklärte und ihn gar mit einem Bann belegte, der ihm verbot, sich dem Festivalpalais zu nähern. 

Lars mag keine Fotografen. (Foto: Katharina Sartena)
Gleich nach dem Fototermin suchte von Trier das Weite und überlies seinen Darstellern Uma Thurman, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Shia LaBeouf und Christian Slater das Podium der Pressekonferenz – und auch dort war der Cannes-Entgleiser Thema. Die Frage eines Journalisten, ob der zweite Teil von „Nymphomaniac“ in Cannes seine Premiere feiern würde, quittierte man mit dem Satz: „Wir sind jetzt in Berlin, wir sprechen nicht über Cannes“. Shia LaBeouf verließ dann sogar demonstrativ das Podium und kehrte auch nicht mehr zurück. Die Produzentin des Films, Louise Vesth, sagte: „Sie alle haben das T-Shirt gesehen, vielleicht ist das selbsterklärend“.

Christian Slater, Stacy Martin, Stellan Skarsgard, Uma Thurman. (Foto: Katharina Sartena)

Der T-Shirt-Gag des Lars von Trier wirkt auch wie die trotzige Reaktion eines kleinen Jungen. Aber fest steht: Der dänische Regisseur schafft es auch ganz ohne Worte zu provozieren.


Matthias Greuling, Berlin

Samstag, 8. Februar 2014

George Clooney scheitert an den MONUMENTS MEN

George hat gepatzt... (Foto: Katharina Sartena)
Herrschaften wie Bill Murray oder Bradley Cooper waren schon hier, und auch Christian Bale schaute vorbei – doch wenn George Clooney auftaucht, dann herrscht wirklich Ausnahmezustand: Stunden vor der Premiere von „Monuments Men“, seinem neuen Film über sieben US-Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg Kunstschätze vor den Nazis retten sollten, wurde der Berlinale-Palast großräumig abgesperrt und von der Security penibel untersucht. Die Fans standen schon zu Mittag vor dem Eingang, um das abendliche Flanieren ihres Idols über den Roten Teppich an vorderster Front miterleben zu können. Unter den Fotografen machte sich Unruhe breit, als es hieß, der Beginn des Fototermins verzögere sich, weil es bei der Pressevorführung des Films einen medizinischen Notfall gegeben hatte, der die Vorführung unterbrach.
Im Tanzschritt zur Pressekonferenz. (Foto: Katharina Sartena)
Und dann kam, sah und siegte Clooney. Obwohl sein neues Werk von der Filmkritik ordentlich geprügelt wurde, ist das im Moment seines tatsächlichen Aufkreuzens alles egal: Nur der Clooney zählt – da können seinen prominenten Begleiter noch so um die Wette strahlen und Grimassen schneiden: Immerhin schien es auch Matt Damon, Jean Dujardin, John Goodman und Bill Murray jede Menge Spaß zu machen, mit Clooney in Berlin einzufallen. Alle zusammen tanzten dann vom Fototermin in die Pressekonferenz – in Form einer Partyschlange.
Spaß, Spaß, Spaß. (Foto: Katharina Sartena)
Aber was soll man schon groß zu einem einigermaßen verpatzten Film wie „Monuments Men“ sagen, der in all seiner Bombastik und seiner Klischee-Ästhetik eine Art Anti-Nazi-Komödie mit ein paar ernsten Momenten zu sein versucht, aber selbst daran scheitert? Clooney, der für Regiearbeiten wie „Good Night, and Good Luck“ oder „The Ides of March“ durchaus zu Recht für sein politisch motiviertes, handwerklich ausgezeichnetes Kino gelobt wurde, hat sich in „Monuments Men“ eindeutig überhoben – hier steht der Unterhaltungswert im Vordergrund, Message gibt es keine. Außer vielleicht diese, denn im Film heißt es einmal: „Für Kunst lohnt es sich zu sterben“. Nun ja.
Der Goldene Bär und George Clooney. (Foto: Katharina Sartena)
Möglicherweise ist Clooney filmischer Ansatz der saloppen Mainstreaminszenierung des Krieges aber seiner Nostalgie an frühere Tage geschuldet: „Wir wollten etwas Unzynisches machen, und zwar auf eine Art, die wir in unserer Jugend geliebt haben“, sagte Clooney in Berlin. „Nazi-Stoffe ziehen in Hollywood noch immer sehr gut“. Vor dem Hintergrund dieser Erklärung scheint „Monuments Men“ vor allem für ein US-Publikum gedacht, das Krieg, Komödie, Kunst und Handwerk generell in einer undifferenzierten Umgebung konsumieren möchte, anstelle darüber einen zumindest gedanklichen Diskurs zu führen. Hätte „Monuments Men“ ein versierter Mainstream-Regisseur gemacht, wäre all das entschuldigt – und auch die Tatsache, dass das in den Berliner Babelsberg-Studios gefakte Altaussee nun wirklich nicht wie Altaussee aussieht. Einem sonst so intelligenten Regisseur wie Clooney kann man diese Patzer allerdings nicht durchgehen lassen.
Aber was soll’s? Es zählt ohnehin nur die Show. Das Tänzchen bei der Clooney-Pressekonferenz wird sich in allen Zeitungen finden, und auch in diesem Blog. Was zählt, sind die Bilder, die für Zerstreuung sorgen. Sodass es schnell klar ist: Der Spaß ist die Message. 
Matthias Greuling, Berlin